Sonntag, 24. Januar 2016

Sonntagsgeschreibsel 24.01.2016 Daniel in der Löwengrube

Kein netter Einleitungssatz heute. Es ist Sonntag und ich schreibe das nieder, was mir so unter der Woche Anlass zum Nachdenken gegeben hat.
Seit Wochen treibt mich der Gedanke an bestimmte Schlagwörter um. Letzte Woche waren es die neuerwachten Frauenrechtler und das was manche von ihnen einer meiner Sorte an den Hals den Uterus wünscht.
Kapiert haben es einige nicht. Auch als ich über einen Zeitungsauschnitt die Verlogenheit verdeutlichen wollte, dass eben die meisten von Flüchtlingen begangenen Sexualverbrechen frei erfunden waren (doppelt perfide – weil es ein Gerücht befeuert. Ah – behauptet ist schnell was, wer sagt denn, dass das nicht die meisten *angeblichen* Opfer so machen?) wurde mir dann sofort unter die Nase gerieben, wie schlimm es den Frauen in bestimmten ginge.
Meine Antwort darauf:
Ich orientiere mich nicht nach dem Schlechteren, sondern nach dem Besseren. Bei uns wird von einer Gleichstellung *gefaselt*, die bei weitem noch nicht vollkommen ist, was man an vielen Eckpfeilern festmachen kann. Unter anderem dass es immer noch keine Gleichstellung bei den Gehältern gibt. Frauen werden in den gleichen Berufen bis zu 30% schlechter bezahlt.
Viele Frauen scheuen sich immer noch sexuelle Übergriffe, Vergewaltigungen anzuzeigen, wird ihnen doch oft schon nicht in der Familie geglaubt. Vor allem wenn es gute Freunde oder gar Mitglieder der Familie betrifft.
Solange es Vertreter der Vertreter Christlicher Kirchen gibt, wie der spanischen Kleriker, der meint Frauen würden der Gewalt aus dem Weg gehen, wenn sie den Männern gehorchen würden.
Fragt mich nicht, was ich in dem Moment gedacht habe. Den Opfern wird die Schuld zugeschrieben.
Diesen Pfaffen würde ich gerne Zementschuhe verpassen und wenn dann jemand sagt: *Das hättest du aber nicht tun sollen!* dann könnte ich antworten – Hey, hätte er seine Klappe gehalten, dann würde er sich nicht gerade die Fische unter Wasser angucken.
MITTELALTER!
Aber er ist nicht alleine in seinem Ansinnen – Wie oft hört man: Tja, wenn man sich
a) in dem Aufzug,
b)um die Uhrzeit
c) in dem Zustand
d) in der Gegend „rumtreibt“?
EGAL was eine Frau anhat oder nicht, egal wie sie sich ausstaffiert hat, egal wie lecker sie riecht, egal wie besoffen sie ist oder sonst was – ihr habt sie NICHT anzufassen. Und das sage ich allen MÄNNERN. Auch allen Frauen. Und anderen Wesen. Und umgekehrt gilt das ganz klar auch! Es gibt keine Entschuldigung für Gewalt - aßer Notwehr.
Ich wollte eigentlich über Integration schreiben. Eigentlich bin ich keine Frauenrechtlerin. Eigentlich, eigentlich,… aber der gezeigte Chauvinismus vieler Männer der letzte Woche zu Tage trat, im Netz und den Kommentarspalten ließ mich an die Frauenrechtlerinnen in den 20er Jahren diesen Jahrhunderts denken.
Aber es gibt sie, die Männer die zugeben, dass sie das Ausmaß unterschätzen, dass sie es einfach nicht sehen wollten, konnten, sich nicht dafür interessierten. Das sexuelle Gewalt eben kein Problem gewisser Gruppierungen ist, sondern leider Alltag. Ein Freund fragte einen Teil seines weiblichen Freundeskreises und schrieb dann dazu. Ich fragte ihn, ob ich sein Statement als Gastkommentar veröffentlichen dürfe. Ein klares Ja war die Antwort.

„Frauenverachtende Kulturen“ - vorläufig abschließende Gedanken
Silvester ist drei Wochen her. Und wir diskutieren unermüdlich über ausländische Frauenunterdrücker, die hier machen, was sie wollen. Gleichzeitig kommt aus der feministischen Ecke der Hinweis, dass Angrapschen, Unter-den-Rock-greifen etc. kein neues Phänomen ist. Und es gibt die berüchtigte Studie, „Eine von drei Frauen wird im Lauf ihres Lebens Opfer von sexueller oder körperlicher Gewalt“.
Alles so plakative Sätze. Unter denen ich mir letztlich nix konkretes vorstellen kann. Deshalb hab ich am Sonntag mal einen dreisten Versuch gestartet: Ich habe fünfzehn willkürlich gewählte Frauen aus meiner Freundesliste angeschrieben – mit der Bitte, ob sie mir nicht einfach mal erzählen könnten, was SIE in ihrem Leben schon an sexueller Belästigung/Gewalt erlebt haben.
Zwei haben es laut Facebook noch nicht gesehen – zwei wollten nichts dazu sagen . Wofür ich vollstes Verständnis habe – mich fasziniert, dass die anderen tatsächlich geantwortet haben. Dafür danke. Es ist für mich absolut selbstverständlich, dass ich nicht mal ansatzweise irgendwelche Hinweise geben werde, wer diese Frauen sind.
Nun, mit elf – und danach auch noch ein paar anderen – kam ich ins Gespräch. Beziehungsweise – sie erzählten zunächst.
Danach hab ich mich erst mal betrunken.
Fazit: Von zweiundzwanzig Frauen, mit denen ich in meinem Leben bisher über ihre diesbezüglichen Erfahrungen geredet habe, sagt EINE, „Gott sei dank ist mir das noch nie passiert“. Eine. Von zweiundzwanzig. Die Zahl der Frauen, die mir erzählt haben, bereits vergewaltigt worden zu sein, ist seit Sonntag auf zehn angestiegen. (Wohlgemerkt – die mir das erzählt haben. Wie viele Frauen ich tatsächlich kenne, die das schon einmal erleben mussten, ohne dass ich es weiß – darüber will ich lieber gar nicht erst nachdenken.)
In diesem Ausmaß hatte ich das nicht erwartet. Noch erschreckender: All die Frauen, die mir geantwortet haben, hatten nicht nur ein Beispiel auf Lager. Im Gegenteil – es waren Listen mit in der Regel vier, fünf Begebenheiten. Und kaum eine hielt es für nötig, blöde Sprüche oder Blicke zu erwähnen – der „harmloseste“ Punkt war bei nahezu allen die ungewollte Berührung, nächster Schritt dann „ungewollte Berührung an Geschlechtsorganen“ - am Endpunkt steht dann die Vergewaltigung. Auch die einer (zum damaligen Zeitpunkt) Vierzehnjährigen. Und der jahrelang missbrauchende Onkel taucht auch auf.
Wer braucht jetzt auch einen Schnaps?
Das ist in keinster Weise repräsentativ, das ist mir auch klar. Aber irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass das Ergebnis großartig anders ausgefallen wäre, hätte ich fünfzehn andere gefragt. Oder dreißig andere. Oder fünfzig. Höchstens in Nuancen.
Könnten wir alle bitte aufhören, über „fremde frauenverachtende Kulturen“ zu reden? Und stattdessen endlich das Thema diskutieren, das seit Jahrzehnten kleingeredet, verharmlost, negiert wird?
Liebe Frauen – bitte lasst diesmal nicht locker. ‪#‎aufschrei vor drei Jahren wurde weggelächelt. Das darf nicht wieder passieren.
Und liebe Männer – fragt bitte mal Frauen in Eurem Umfeld , wie das so ist, in Deutschland weiblich zu sein. Ihr werdet überrascht sein – viele Frauen wollen da glaub sehr gerne darüber reden. Nur, stellt Euch davor schon den Whisky kalt. Ihr werdet ihn brauchen.
Wer dies für teilenswert hält – es ist in meinem Sinne.“

Was mich nicht wunderte: er bekam von vielen Frauen Beifall. Was mich ebenfalls nicht wunderte war die Reaktion mancher Männer: Wer anklagende Frauen als Schlumpfarmee bezeichnet der denkt auch, das Daniel ein Frauenversteher ist. Ist er auch. 

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