Sonntag, 28. Februar 2016

Die Liebe, das Leben, der Tod - Sonntagsgedanken 28.02.2016

Ein normaler Sonntagmorgen, der Kaffee ist heiß, schwarz und süß, Zucker sei Dank. Die Kater sind fluffig, aufgedreht und süß und Leila, die kleine Thai-Burma Dame ist schön, zickig und süß.
Der Himmel ist grau - mal wieder - wieder eine Woche vorbei - mal wieder und müde bin ich auch - mal wieder
Und doch ist heute morgen die Welt ein wenig anders.
Nein, es geht nicht um Sachsen, AfD, Fremdenfeindlichkeit oder Arschkrampenalarm. Das ist leider immer noch so.



2016 scheint unter keinem guten Stern zu stehen. Noch nie haben so viele Menschen, die mir in irgendeiner Form etwas bedeuten, diese Welt verlassen. Und manchmal wünschte ich mir, ich würde an ein Danach glauben (können). Selig die, die das können. Uns anderen bleibt nur ein:
Carpe diem. Oder so.

Eine Musiklegende nach der anderen dreht uns den Rücken zu und verlässt uns, nicht ohne reichlich Geschenke hier zu lassen - ihre Musik, in jeder Form. Auch Schauspieler, Schriftsteller. Da verschieben sich für mich die Jahresgrenzen. Gestern war der erste Todestag von Mr.Spock Darsteller Leonard Nimroy. Irgendwie war es für mich der Abschied meiner Kindheit, und die liegt nun schon wirklich lange zurück.
Terry Prachett - was liebe ich seine Bücher, heiß und innig. Haben sie mir doch schon an den unmöglichsten Orten und zu den undenkbarsten Zeiten ein lautes Lachen entlockt. Sehr zum Erstaunen mancher unfreiwilliger Zuschauer und -hörer. Einmal blieb ein Mann stehen, es war kurz vor fünf Uhr morgens, an dem damals noch nicht verschandelten Stuttgarter HBF, ich glaube Gleis acht, als er, der vorbeieilender Passant stehen blieb um mich neugierig zu mustern, wie ich so da saß. Tief eingemummelt in Winterschal, dicken Mantel, leise vor mich hinkichernd, das Buch in den klammen Fingern zitternd, als ich ein lautes Auflachen nicht mehr unterdrücken konnte: Mein Lachen hallte laut und hallend, die Morgenmuffelruhe unsanft störend, über die leeren Gleise.
Ob er mich fragen dürfe, was ich da lesen würde. Ich hob das Buch hoch, der bunte Einband ein fremd anmutender Fleck in der grauen Dissigkeit des fast menschenleeren Bahnhofs. Seine Miene veränderte sich schlagartig, ein selige Fröhlichkeit überzog sein Gesicht und ein leises Lachen erklang. Er hob den Daumen und lief beschwingt weiter. Wir wechselten kein Wort, aber das Lächeln blieb. Wissende Geschwister.
Ach Terry, Danke für deine Bücher, deine Gedanken, deinen Mut.

Letzte Woche verstarb dann Peter Lustig, bekannt als der Latzhosenmann, Löwenzahn war sein Markenzeichen (klingt ein wenig nach Serientäter, oder?) mit dem Bauwagen. Er rklärte jahrelang Kindern die Welt. Auf eine unnachahmliche Art. So viele Menschen nahmen Anteil, denn mit ihm entschwand wieder einmal ein Stück Kindheit und ließ viele von uns mit den Erinnerungen zurück.


Ich weiß nicht mehr wo ich es gelesen habe, oder habe ich es gehört?, auf alle Fälle hat es mir immer irgendwie Trost gespendet: Man stirbt erst, wenn sich niemand mehr an einen erinnert.
Meine Erinnerung werden mehr. Es ist ein Schatz, der nicht in einem finsteren Keller vergraben ist, sondern den ich in meinem Herzen trage. Meine Freunde und Famile trage ich bei mir, und je länger ich sie in mir trage, desto mer entschwindet das Ärgerliche, Das Unverziehene und es bleibt Frieden.




Gestern dann erreichte mich die Nachricht, dass ein lieber Bekannter den Kampf gegen den Krebs verloren hat. Ich habe ihn schon ewig nicht mehr gesehen, das letzte Mal auf den Bildern seiner Hochzeit und damals beschlich mich ein ungutes Gefühl: er sah irgendwie sehr krank aus. Aber wie man so ist und das Leben nicht nutzt unternahm ich nichts ihn zu treffen.
Bei aller Trauer und Betroffenheit so weiß ich doch eins: Er hat sein Leben geliebt, genossen und gelebt. Er hat die Menschen in seinem Umfeld glücklich gemacht. Ich kannte ihn nicht wirklich gut, aber das was ich kannte mochte ich sehr. Mein Mitgefühl gilt seiner Frau, die eine spezielle Nudel ist und ich muss lächeln, wenn ich an die beiden denke.

Als ich abends meine Kater kraulte - ich nutze gerade jede Minute, den beiden das Fell zu verwuscheln - erreichte mich die Nachricht meines Bruder: Deine Großnichte Hanna hat heute das Licht der Welt erblickt. Das Leben geht weiter. Das Leben erfindet sich neu. Der Tod gehört zum Leben. Auch wenn es uns Zurückbleibenden nicht unbedingt tröstet.

Nicht weinen, dass es vorbei
freuen wir uns, dass es gewesen.

Lebt! Lacht! Liebt! Heute, jetzt, nachher, morgen. Und immer auf ein Neues.
Danke Steve/Martin, dass ich kennenlernen durfte

Sonntag, 21. Februar 2016

*Wir sind das Volk!* Sonntagsgedanken, 21.02.2016

Sonntag, grauer Himmel, Schädelweh und zwei Kater. Das Schädelweh hat nichts mit den Katern zu tun, denn die tragen Fell und sind nicht mit irgendwelchen Getränken in Verbindung zu bringen. Noch nicht mal mit Milch. Ich brüte schon seit ein paar Tagen etwas aus (Erkältung),  genauso wie ich seit Donnerstag über etwas anderes brüte. 

Sachsen. Sachsen, Sachse, völkisch?
Jeder, der nur einmal am Tag Nachrichten liest, sieht oder hört hat im Moment Probleme es NICHT mitzubekommen, was in dem Freistaat abgeht. Nein nicht alle Sachsen sind so. Aber sie tauchen immer wieder, und wesentlich öfter als alle anderen Bürger dieser Republik in den Schlagzeilen auf.
Was ist passiert? Ein vorlauter Bürgermeister hat verlauten lassen, dass ein Bus mit Personen kommen würde. Und auch wann. Und wohin. Das Pack Die Bewohner des Ortes bekamen das Grausen und rotteten fanden sich zusammen. Sie grölten machten ihrem Unmut Luft, indem sie verängstigten Kindern, Jugendlichen, Frauen und Männern auf der Flucht vor Krieg, Tod, Not und Elend, den Wirtschaftsflüchtlingen ihren Hass und ihre Wut entgegenbrüllten klar deutlich machten, dass sie nicht erwünscht seien.

Seit Donnerstag, nein, schon viel länger, sage ich mir:
DU DARFST SIE NICHT HASSEN; DU DARFST SIE NICHT HASSEN; EGAL WAS SIE TUN; DENN SONST BIST DU NICHT BESSER ALS SIE!

Nein, hassen kann, will und darf ich nicht. Aber hinterfragen, bemitleiden, verachten und verabscheuen? Ja! Absolut. Wenn Sie rufen: „Wir sind das Volk“, dann beleidigen sie nicht nur all die Menschen die in der DDR friedlich für ihr Freiheit und Bürgerrechte demonstriert haben. Sie beleidigen alle Bürger der Bundesrepublik, die sich an das Grundgesetz halten. Man muss die Politik der jetzigen Bundesregierung nicht gut finden, man darf, ja man soll sie sogar kritisieren. Aber doch bitte mit einem Mindestmaß an Anstand! Oder?
Sie beleidigen mich persönlich, wenn sie rufen: *Wir sind das Volk°!“. Nein, das seid ihr nicht! Ihr seid ein Teil der Bürger dieses Staates. Nicht mehr und nicht weniger. Genauso wie ihr es seid bin ich auch ein Teil dieses Volkes, dieser Nation, dieser Republik. Ihr habt Rechte und Pflichten. Zu euren Rechten gehört zwar, dass ihr euch wie Arschpratzen benehmen dürft, ihr dürft euren Unmut auch Luft machen – im Rahmen der Gesellschaftsordnung und der Gesetze, aber irgendwann ist Schluss.
Ihr habt eine Nehmerqualität die seinesgleichen sucht.
Übrigens fand ich es als Gegner des Bauprojekts ebenso Mist, als manche anfingen *wir sind das Volk!* zu rufen. Ich dachte nur: Wie könnt ihr nur. Wir sind ein pluraler Mischmasch und nicht ein Einheitsbrei.
Wenn ihr aber das Mindestmaß an Anstand vermissen lasst, dann wundert euch nicht, wenn die Restrepublik euch als alles Mögliche bezeichnet, unter anderen als braune Brut.
Es wurde schon so viel über euch und Euresgleichen geschrieben. Es macht müde. Zornig.

Und doch seid ihr nur das Endprodukt, willfährige Marionetten an den Schnüren von Hetzern und Zündlern in Anzügen und Kostüm. Ob da jetzt CSU, AfD, Bundesinnenministerium draufsteht.
Ihr schreit, dass euch die Flüchtlinge alles nehmen. Ihr tretet nach denen die fast nichts mehr haben. Vielleicht noch nicht einmal ihre eigene Unversehrtheit. Ihr seid unsolidarisch mit Streikenden, Schwächeren, Gleichen, Frauen usw. Ihr seid einfach neidische, egoistische Feiglinge, die sich an Stammtischparolen aufgeilen und aufgeheizt dann ein Ventil für eure angestaute Wut suchen.
Ihr tut mir leid. Seid ihr doch so ohnmächtig in eurer Unfähigkeit euer Leben selbst in die Hand zu nehmen und etwas Sinnvolleres zu tun, als sich der Angst allem fremdartigen gegenüber hinzugeben.
Ihr seid so schwach, dass ihr nur in der Gruppe oder anonym im Netz eurer Wut freien Lauf lasst.
Wie wäre es einmal sich selbst zu reflektieren, die eigene Lage zu analysieren und etwas zu ändern?
Ich wünsche euch das Beste. Nehmt eure Wut und verwandelt sie in etwas Sinnvolles. Aber hört auf rum zu jammern, dass die Welt böse zu euch sei.

Ich schäme mich fremd. Ich bin so zornig wegen euch. Ihr versaut mir einfach den Tag. Und nicht nur diesen.
Ich möchte mich hinstellen und schreien: *Haut ab! Clausnitzer raus!*, aber dazu bin ich zu gut erzogen… und ich bin nicht wie ihr. Denn ich frage mich: Was ist denen den passiert, dass sie solch einen Hss empfinden, so unsolidarisch sind? 

Sonntag, 14. Februar 2016

Sonntaggeschreibsel 14.02.2016 Valentine und die Frauen.

14.02. Valentines Day.
Soleil nahm es wörtlich und küsste mich wach – viele feuchte Katzennasenküsse, morgens um vier. Er wiederholte es stündlich, unterstützt von seinem Bruder Grey, der meinte unter meiner Bettdecke auf die Jagd nach imaginären Was-auch-immer gehen zu müssen.
Mein Leiden passt zu dem Märtyrer Valentin.
Wiki schrieb dazu:
*Valentin von Terni ist ein Heiliger und Märtyrer der römisch-katholischen Kirche. Im 3. Jahrhundert nach Christus war er Bischof von Interamna, dem heutigenTerni. Valentin von Terni wird heutzutage als Patron der Liebenden verehrt, so dass auf ihn das Brauchtum des Valentinstags zurückgeht.
Früher wurde er bei Krankheiten, wie etwa der Epilepsie, um Hilfe gebeten. Bei diesem Patronat wurden Valentin von Terni und Valentin von Rätien gleichermaßen angerufen. Mit der Verehrung durch die Hilfesuchenden wurden beide Gestalten im Lauf der Zeit immer mehr vermischt.*
Heute schenkt Mann Rosen. Oder Pralinen. Mann schreibt Karten. Oder so. Und die Frau die keinen *Valentin* hat ist ein Looser. Oder so ähnlich.
Ach, fuck you, Konsumindustrie. Was soll das? Wenn sich Menschen lieben, mögen, schätzen finden sie doch immer einen Weg, sich das zu zeigen. Ohne Blumen, mit Blumen, mit oder ohne Süßes.
Küsst mehr!, möchte ich rufen, schnappe mir eine meiner Katzen und knuddle sie durch. Der Kater schnurrt, und setzt damit Glücks- und Zufriedenheitsgefühle  bei uns beiden frei, Während ich das hier schreibe, sitzt der andere vor meiner Tastatur und schmachtet mich an. Ich bin praktisch gezwungen, nach jedem Satz in sein seidiges Fell zu greifen und ihn unter dem Kinn zu kraulen. Er dankt es mir damit, dass er sich prompt auf die Tastatur legt.
Mir wäre es liebe, die Menschen wären jeden Tag nur ein klein wenig freundlicher, optimistischer, weniger verschreckt und verängstigt.
Wieviel Blumen werden heute verkauft, wieviel Süßes und Parfums die letzten Tage? Wie wäre es denn mit dem täglichen Respekt?
Heute tanzen sie wieder: One Billion Rising. Frauen auf der ganzen Welt tanzen gegen die Gewalt gegen sie an. Und wäre es nach Köln nicht der perfekte Aufhänger gewesen, endlich sich mit der alltäglichen Gewalt gegen Frauen, und/oder gegenüber *schwächeren* einzusetzen? Sich mit den Ursachen auseinanderzusetzen? Statt mit dem Finger auf EINE Gruppe VERDÄCHTIGER zu zeigen.
Überspitzt gesagt ist doch jeder Mann – nun ja, ich möchte es nicht schreiben, da ich so nicht denke. Für mich stehen Männer im Allgemeinen eben nicht unter Generalverdacht. Wenn ich so denken würde, wäre ich keinen Deut besser als all jene  die jedem islamischen Mann unterstellen er wolle doch nichts anderes als eine Frau unsittlich anzufassen.
ES werden Probleme beschworen und so lange wiederholt, bis etwas geschieht, das den eigenen (Wunsch?)Denken entspricht. Selbsterfüllende Prophezeiung nennt man das dann wohl. Oder man macht Einzelfälle zur Regel. Und aus Regelfällen zu Einzelfällen, wenn es einem nicht in den Kram passt.
Ich persönlich erlebte und erlebe beides. Leider hat sich aber vieles seit meiner Jugend, meiner Sturm und Drang Zeit nicht geändert, bzw. hat sich verschlimmert. Oder ich habe mich von Anfang an in Kreisen rumgetrieben, in den Frauen weniger als Objekt, als Jagdtrophäe angesehen wurde.
Fakt ist: Das Problem männlicher Gewalt, in jeder Form, ist an der Tagesordnung und wird je nach Ausprägung gesellschaftlich geschönt, unterstützt, entschuldigt, instrumentalisiert.
Fakt ist auch: Frauen die dagegen angehen, werden gedizzt, verhöhnt verlacht, als Emanzen und ähnliches bezeichnet.
Fakt ist: Männer die Frauen in dem Thema unterstützen, werden als *Frauenversteher* beschimpft. Jungs! Nehmt es als Auszeichnung!

Be my Valentine? Ne, bestimmt nicht. Steckt euch eure Blumen und Pralinen und Parfum sonst wohin. Das erste was ich will ist Respekt vor meinem Willen.
Dann können wir weitersprechen.

Sonntag, 7. Februar 2016

Sonntagsgedanken 07.02.2015 Umbruch

Nase dicht. Eine Erkältung droht. Im Nebenzimmer rumoren meine Mitbewohnerin und ihre Mutter. Lena zieht heute aus. Meine Ausbildung neigt sich auch dem Ende zu, die Zwischenprüfung ist auch schon Vergangenheit, Ende Juli werden wir in die Freiheit entlassen und am 4.7. trete ich meinen neuen Job ab. Alles im Wandel.
Wenn ich jetzt weder Nerven noch Motivation verliere werde ich einen guten-sehr guten Abschluss machen. Auf meine *neu* Arbeitsstelle freue ich mich – arbeite ich doch regelmäßig mit und kann es mir auch gar nicht vorstellen woanders zu arbeiten.
Trotzdem wird es ein großer Umbruch werden, oder ist es schon.

So wie wir gerade einen große Umwälzung in Europa erleben, und nicht unbedingt zum Guten. Es geht um mehr als um die europäische Idee, die doch von Anfang an mehr oder weniger ein wirtschaftliches Bündnis war und ist.
Es geht mehr um das Zwischenmenschliche, um den Humanismus an sich. Wenn sich ein Viertel der Deutschen vorstellen kann, dass an der deutschen Grenze auf Flüchtlinge geschossen werden soll, dann wird mir angst und bange.
Kein Mensch verweigert einem Polizeibeamten, einem Bundespolizisten, Zöllner, nein kein Mensch verweigert es, dass diese Menschen sich verteidigen dürfen, sollen, müssen, wenn sich eine bedrohliche bzw. lebensbedrohliche Situation für sich ergibt.
Was die Führungsfrauen der AfD aber abließen beschämt mich als Deutsche mehr als ich ausdrücken kann. Flüchtete meine Mutter nach dem 2. Weltkrieg doch auch nach Deutschland – und entgegen der verklärten Geschichtenerzähler waren damals Flüchtlinge auch nicht willkommen. Jedenfalls nicht herzlich.
Die Familie meiner Mutter begann ihr neues Leben im Dachspeicher einer Zigarrenfabrik. Auf der Flucht wurden die Männer (auch männliche Kinder) separiert und wurden nie wieder gesichtet. Mein Opa war einer davon. Heute wissen wir, dass viele Männer auf dem Fluchttreck separiert und erschlagen wurden. Verscharrt irgendwo auf dem Weg von Tschechien ins Reich. Die Rache der befreiten Menschen war grausam. Hass erzeugt Hass.
Wir Deutschen sind doch wie alle anderen *Völker* ein Mischmasch. Wenn zwischen uns und dem Schwein nur ein geringer genetischer Unterschied liegt wieso reiten dann manche Menschen auf noch geringere Unterschiede bei Menschen rum?
In der Vielfalt liegen eine Kraft und eine Zukunft, die man mit Eintönigkeit nie erreichen wird.
Was mich so verstört ist die *Einfachheit der Denkweise* manche Gruppierungen. Hat jemand eine dunklere Hautfarbe, so ist er Afrikaner, egal seit wieviel Generationen dieser Mensch in Europa oder in Amerika oder sonst wo auf der Welt lebt. Dabei gibt es *den* Afrikaner genauso wenig wie den Deutschen – es ist vielleicht als Ortsbestimmung der ursprünglichen Herkunft nützlich, und dies auch nur bedingt.
Oder die *Vorfälle* in Köln. Als wäre sexuelle Gewalt an Frauen nicht schon seit *Menschengedenken* an der Tagesordnung. In den Vereinigten Staaten von Amerika, zu Zeiten des Sklavenhandels in den Südstaaten, vergriffen sich Aufseher und *Besitzer* (in der Regel weiße Männer) regelmäßig an den dunkelhäutigen Frauen. Alles gute Christen. Also die Sklavenbesitzer und Aufseher. Kann man also daraus schließen, dass sie keine Achtung vor Frauen hatten? Die betroffenen Männer schon. Aber nicht alle Männer dieser Zeit waren Sklavenhalter und Vergewaltiger.
Die Einfachheit, die Schlichtheit – und dies meine ich nicht im positiven Sinn – mancher Mitbürger bringt mich fast dazu Schaum vor dem Mund zu bekommen. Man glaubt alles was man glauben will, egal aus welcher Quelle und wie abstrus diese ist. Andersartige Meldungen werden abgelehnt, denn die Quelle seien die Systemmedien und die Lügenpresse.
Irgendwie will die Fassungslosigkeit bei mir nicht weichen.
Wir leben in einer interessanten und gefährlichen Zeit. Hier wird sich wohl unsere Richtung als Menschheit entscheiden. Es ist mehr betroffen als nur Europa und der vordere Orient.
Rassismus, Neid, Gier sind kein rein europäisches Problem, kein reines Problem des Westens. Wenn man sich den Wahabismus (die strenge und fundamentalistische Auslegung des Korans, so wie in Saudi Arabien) ansieht oder das im Vatikan Kunststücke verhangen werden, weil ein islamischer Ordensträger zu Besuch ist und er sich in seiner religiösen Ansicht durch eine nackte Frauenbrust oder ein gemeißeltes Gemächt gestört sehen können, dann gibt das einem zu denken. Toleranz ist keine Einbahnstraße.

Ich möchte ausrufen: Tschissas! Was ist nur aus der blühenden Zukunft geworden, die wir uns erträumten? Und eine Stimmer in mir spricht:
Selbsterfüllende Prophezeiung nennt man das. Du bekommst was du erwartest.
Ich wünsche mir eine Welt, in der Akzeptanz und das Recht auf Selbstbestimmung nicht nur leere Worthülsen sind. Und das der Neid verschwindet. Zufriedenheit und Glück nicht im neusten Flatsceen-Fernseher gemessen werden.

Nächstes Wochenende werde ich in eine leere Wohnung zurück kommen. Nein nicht ganz. Ich weiß, dass sobald ich den Schlüssel in die Türe stecke werden drei Minitiger sich dahinter aufbauen und mich erst einmal Anschmusen und anschnurren wenn ich die Wohnung betrete. Auch wenn sie unter der Woche gut betreut werden. Dann bilden wir einen Knäul und wir sind glücklich.