Sonntag, 7. Februar 2016

Sonntagsgedanken 07.02.2015 Umbruch

Nase dicht. Eine Erkältung droht. Im Nebenzimmer rumoren meine Mitbewohnerin und ihre Mutter. Lena zieht heute aus. Meine Ausbildung neigt sich auch dem Ende zu, die Zwischenprüfung ist auch schon Vergangenheit, Ende Juli werden wir in die Freiheit entlassen und am 4.7. trete ich meinen neuen Job ab. Alles im Wandel.
Wenn ich jetzt weder Nerven noch Motivation verliere werde ich einen guten-sehr guten Abschluss machen. Auf meine *neu* Arbeitsstelle freue ich mich – arbeite ich doch regelmäßig mit und kann es mir auch gar nicht vorstellen woanders zu arbeiten.
Trotzdem wird es ein großer Umbruch werden, oder ist es schon.

So wie wir gerade einen große Umwälzung in Europa erleben, und nicht unbedingt zum Guten. Es geht um mehr als um die europäische Idee, die doch von Anfang an mehr oder weniger ein wirtschaftliches Bündnis war und ist.
Es geht mehr um das Zwischenmenschliche, um den Humanismus an sich. Wenn sich ein Viertel der Deutschen vorstellen kann, dass an der deutschen Grenze auf Flüchtlinge geschossen werden soll, dann wird mir angst und bange.
Kein Mensch verweigert einem Polizeibeamten, einem Bundespolizisten, Zöllner, nein kein Mensch verweigert es, dass diese Menschen sich verteidigen dürfen, sollen, müssen, wenn sich eine bedrohliche bzw. lebensbedrohliche Situation für sich ergibt.
Was die Führungsfrauen der AfD aber abließen beschämt mich als Deutsche mehr als ich ausdrücken kann. Flüchtete meine Mutter nach dem 2. Weltkrieg doch auch nach Deutschland – und entgegen der verklärten Geschichtenerzähler waren damals Flüchtlinge auch nicht willkommen. Jedenfalls nicht herzlich.
Die Familie meiner Mutter begann ihr neues Leben im Dachspeicher einer Zigarrenfabrik. Auf der Flucht wurden die Männer (auch männliche Kinder) separiert und wurden nie wieder gesichtet. Mein Opa war einer davon. Heute wissen wir, dass viele Männer auf dem Fluchttreck separiert und erschlagen wurden. Verscharrt irgendwo auf dem Weg von Tschechien ins Reich. Die Rache der befreiten Menschen war grausam. Hass erzeugt Hass.
Wir Deutschen sind doch wie alle anderen *Völker* ein Mischmasch. Wenn zwischen uns und dem Schwein nur ein geringer genetischer Unterschied liegt wieso reiten dann manche Menschen auf noch geringere Unterschiede bei Menschen rum?
In der Vielfalt liegen eine Kraft und eine Zukunft, die man mit Eintönigkeit nie erreichen wird.
Was mich so verstört ist die *Einfachheit der Denkweise* manche Gruppierungen. Hat jemand eine dunklere Hautfarbe, so ist er Afrikaner, egal seit wieviel Generationen dieser Mensch in Europa oder in Amerika oder sonst wo auf der Welt lebt. Dabei gibt es *den* Afrikaner genauso wenig wie den Deutschen – es ist vielleicht als Ortsbestimmung der ursprünglichen Herkunft nützlich, und dies auch nur bedingt.
Oder die *Vorfälle* in Köln. Als wäre sexuelle Gewalt an Frauen nicht schon seit *Menschengedenken* an der Tagesordnung. In den Vereinigten Staaten von Amerika, zu Zeiten des Sklavenhandels in den Südstaaten, vergriffen sich Aufseher und *Besitzer* (in der Regel weiße Männer) regelmäßig an den dunkelhäutigen Frauen. Alles gute Christen. Also die Sklavenbesitzer und Aufseher. Kann man also daraus schließen, dass sie keine Achtung vor Frauen hatten? Die betroffenen Männer schon. Aber nicht alle Männer dieser Zeit waren Sklavenhalter und Vergewaltiger.
Die Einfachheit, die Schlichtheit – und dies meine ich nicht im positiven Sinn – mancher Mitbürger bringt mich fast dazu Schaum vor dem Mund zu bekommen. Man glaubt alles was man glauben will, egal aus welcher Quelle und wie abstrus diese ist. Andersartige Meldungen werden abgelehnt, denn die Quelle seien die Systemmedien und die Lügenpresse.
Irgendwie will die Fassungslosigkeit bei mir nicht weichen.
Wir leben in einer interessanten und gefährlichen Zeit. Hier wird sich wohl unsere Richtung als Menschheit entscheiden. Es ist mehr betroffen als nur Europa und der vordere Orient.
Rassismus, Neid, Gier sind kein rein europäisches Problem, kein reines Problem des Westens. Wenn man sich den Wahabismus (die strenge und fundamentalistische Auslegung des Korans, so wie in Saudi Arabien) ansieht oder das im Vatikan Kunststücke verhangen werden, weil ein islamischer Ordensträger zu Besuch ist und er sich in seiner religiösen Ansicht durch eine nackte Frauenbrust oder ein gemeißeltes Gemächt gestört sehen können, dann gibt das einem zu denken. Toleranz ist keine Einbahnstraße.

Ich möchte ausrufen: Tschissas! Was ist nur aus der blühenden Zukunft geworden, die wir uns erträumten? Und eine Stimmer in mir spricht:
Selbsterfüllende Prophezeiung nennt man das. Du bekommst was du erwartest.
Ich wünsche mir eine Welt, in der Akzeptanz und das Recht auf Selbstbestimmung nicht nur leere Worthülsen sind. Und das der Neid verschwindet. Zufriedenheit und Glück nicht im neusten Flatsceen-Fernseher gemessen werden.

Nächstes Wochenende werde ich in eine leere Wohnung zurück kommen. Nein nicht ganz. Ich weiß, dass sobald ich den Schlüssel in die Türe stecke werden drei Minitiger sich dahinter aufbauen und mich erst einmal Anschmusen und anschnurren wenn ich die Wohnung betrete. Auch wenn sie unter der Woche gut betreut werden. Dann bilden wir einen Knäul und wir sind glücklich.

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