Sonntag, 13. März 2016

AUFSTAND! Sonntagsgedanken, 13.03.2016

Unruhige, unfriedliche Zeiten. In Deutschland brennen Unterkünfte, in Griechenland werden Kinder im Schlamm geboren. Und irgendwelche Politiker ohne Empathie sprechen Sätze wie: *Wir dürfen uns nicht von Kinderaugen erpressen lassen*, oder faseln etwas von der Grenzverteidigung mit Schusswaffengebrauch, auch gegen Frauen und Kinder.
Hier dürft ihr euch ein Kotz-Smilie vorstellen.

Kopfschüttelnd stand ich gestern in der Stuttgarter Innenstadt, sah dem Strömen konsumwütiger Passanten zu, jung, alt, reich, weniger reich. Lachen erklang an jeder Ecke, die Menschen standen für teures Eis an, die Fastfoodketten-Mitarbeiter kamen mit dem Brutzeln und Austeilen nicht mehr hinterher, manch einer der vorbeischlendernden Menschen ächzte unter der Last der Einkäufe.
Nicht das bunte Treiben führte dazu, dass ich den Kopf schüttelte, sondern das was Menschen wie Gauland, Petry und Storch an Ängsten heraufbeschwören. Am Schlimmsten finde ich Höcke, mit seinen völkischen Geschwätz und rassistischen Äußerungen.
Alle Schattierungen von Hautfarben tauchen vor mir auf und ab, viele Sprachen schwirren durch die Luft und aus manchem Mund erklang Alpra-Schwäbisch von dem man eher etwas anderes erwartet hätte.
Weder hatte ich den Eindruck einer Bedrohung noch hatte ich den Eindruck, dass sich andere bedroht fühlten. Ich war mit einem deutschtürkischen Freund unterwegs, eine blonde Köchin mit einem fremdartigen Akzent bereitete uns feine Nudeln, ein griechischer Mann bediente uns am Tisch und ein pechschwarzer Senegalese kassierte uns ab. Fühlte ich mich befremdet? Wieso denn? Es wurde gelacht und freundliche Worte gewechselt.
Und während ich es mir gut gehen ließ, morgens hatte ich mehrere Stunden gearbeitet, dann eingekauft, kaum zuhause schlenderte ich schon wieder in die Stadt, kaufte mir eine Kleinigkeit, ging essen, ins Kino und hatte einfach einen wunderschönen Samstag.
Und heute Morgen ging ich zur Wahl. Selbst wenn ich diesmal nicht wirklich wusste für wen ich stimmen sollte, erfüllt doch keine der Parteien wirklich meine Ziele, so war mir doch klar: Du gehst wählen. Alles außer braun in himmelblau gekleidet. Du gehst wählen, gegen die Angst, den Hass, den Neid, die Fremdenfeindlichkeit.  Du gehst wählen für die Demokratie, weil du es darfst, weil andere alles riskieren müssen, damit sie ihre Wahlrechte wahrnehmen können.
Demokratie ist kein Ponyhof, eine repräsentative Demokratie ist kein Wunschkonzert. Es geht nicht um das kleinere *Übel*, es geht darum die zu wählen, mit denen man die größte Schnittmenge hat, es geht um Kompromisse. Es geht auch schlicht und einfach um unsere Demokratie. Wer sie nicht am Leben erhält bringt sie um.
Wir sind die Demokratie.
Und an all die Nöler, die Verweigerer, an die, die sagen *Alles Lügner, Betrüger, Machtmenschen*, an die, die meinen es würde sich doch eh nichts ändern – MACHT WAS. Verdammt nochmal, dann hebt euer entzückendes Sitzfleisch von der Couch, geht hinaus ins Leben, tretet in eine bestehende Partei ein, gründet eine Wählergemeinschaft, gründet einen Verein. Hört auf euch wie verwöhnte Kinder in die Kissen zu kuscheln und zu bocken.

MACHT WAS!

1 Kommentar:

  1. ... so ist es. Leider nur noch heute dieser Beitrag: http://www.ardmediathek.de/tv/tag7/Wie-solidarisch-ist-Deutschland/WDR-Fernsehen/Video?bcastId=7543394&documentId=34038786

    AntwortenLöschen