Sonntag, 6. März 2016

Sonntagsgeschreibse: Die Qual der Wahl, 06.03.2016

Grey liegt neben meiner Tastatur, der Apfelkuchen kühlt schon im Backofen aus, das Badewasser ist eingelaufen. Aber auch wenn ich sonst kaum Zeit zum Bloggen habe, Sonntags nehme ich sie mir. Auch wenn es Sonntage gibt, die eindringlich rufen:
*Knutsch die Couch!*,*Schalte ab!*, *schlafe einfach weiter!*.
Seufz. Wer schon einmal versucht hat eine aufdringliche, schmusebedürftige, gerade verhungernde Katze zu ignorieren, der weiß, dass das Letztere eine praktisch unlösbare Mission ist. Soleil nimmt seinen Namen zu wörtlich: *Sonne*. Und wann die aufgeht – für mich – bestimmt er. Wenn die echte noch lange hinterm Horizont verweilt steht er direkt vor mir und quäkt ins Ohr.

Themen gibt es immer. Aber was wollte ich heute abhandeln? Mein Kopf ist so voll mit Steuerparagrafen und Gesetzen und Regeln, Vorschriften und Verboten, dass ich manchmal davon träume. Die Abschlussprüfungen kommen näher und auch wenn ich schon unter der Haube bin – klar regt es mich auf.
Aber was mich mehr aufregt ist die politische Lage. Die Hasswellen, die immer und immer wieder durch das Internet und die social networks rasen. Ich glaube Pelzig war es, der sagte, dass schlechte deutsche Grammatik, unbegrenzte Dummheit und Internetzugang eine heikle Sache seien. Ich sehe das zwar auch so, aber auch etwas anderes. Nur durch die Sozialen Medien wird das sichtbar, was schon immer in den Wohnzimmern brodelte.
In zwei Wochen wird in BaWü gewählt. Dieses Mal ist es spannend. Auch weil Grün und Schwarz Kopf an Kopf liegen. Die SPD ist weit abgeschlagen und prügelt sich mit der AfD um den dritten Platz. Und je näher der Wahltag kommt, desto mehr liegen die Nerven blank. 

  • Was mir in diesem Wahlkampf besonders auffiel:
  • Nicht Länderthemen, sondern Bundesthemen bestimmten den *Wahlkampf*
  • Nicht Programme bestimmen anscheinend die Wählergunst, sondern persönliche Abneigungen-*Kretschmann doof*, *Wolf doof*, *Grüne kann ich nicht leiden* etc.
  • Bashen statt werben. Es wird der Gegner geschmäht, diffamiert, statt die eigenen Wahlprogramme zu *verkaufen*

Womit ich beim Thema bin. Wer ist so ehrlich und gibt zu die Wahlprogramme wirklich zu lesen? Und sie mit den Aussagen und dem Handeln der betreffende Partei zu vergleichen? Habe ich früher auch nicht gemacht. Mache ich heute auch nur begrenzt, aber die Kernpunkte suche ich mir heraus. Und dann fallen einen fast die Augen aus dem Kopf. Die AfD ist keineswegs die Partei für die Underdogs, die SPD schreibt Dinge auf das Plakat, die sie uns 5 Jahre schuldig blieben (ich sage nur: Herr Gall, Ihre versprochene Polizeikennzeichnung können Sie sich gepflegt sonst wohin….), auch die Grünen und die CDU, usw usf.
Klar muss man Kompromisse eingehen, wenn man an die Macht will und dann an der Macht ist. muss man aber seine Ideale verraten?
Ach Sigmar Gabriel, denke ich an dich, wird mir ganz schwarz vor Augen. Mag sein, dass du nicht DEINE Ideal verrätst, aber den sozialen Gedanken sind dir doch schon längst vergangen. Und dein Fischen am rechten Rand, dass die letzten Tage offensichtlich wurde, entlockt mir keinen Seufzer mehr. Es führt zu einem Unwohlsein, das zum Würgen führt.


Es fiel mir vor 5 Jahren schon schwer eine Entscheidung zu treffen. Dieses Mal ist es klar, was ich wählen werde. Aber noch nie ist mir ein Kreuz so schwer gefallen.
Trotzdem: geht wählen. Nutzt euer Grundrecht. Macht den Wahlschein ungültig, wenn es nicht anders geht. Wählt das, was ihr denkt, dass es euch wiederspiegelt. Es muss mir nicht gefallen. Aber so etwas nennt man gelebte Demokratie.

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