Sonntag, 20. März 2016

Wider den Hass - Sonntagsgedanken, 20.03.2016

Sonntagmorgen. Der Hochnebel ist zäh. Ich bin nicht wirklich gut drauf. Beide Kater und die Gastdiva sind unterbeschäftigt und auch wenn ich sie mit dem Staubsaugroboter eine Stunde ablenken konnte, um wenigstens in Ruhe Kaffee trinken zu können, so ist diese Atempause jetzt auch vorbei. Noch habe ich das Färbemittel auf dem Kopf, die Wohnung sieht aus wie ein Saustall, mir ist kalt, ich habe PMS ------------------------ und morgen schreiben wir eine Einkommensteuerklausur unter Prüfungsbedingungen mit Benotung.
Keine guten Voraussetzungen für einen fröhlichen Sonntag. Nun, das eine ist das, was mich gerade privat etwas verstört, nervt, traurig macht…etc. Damit kann ich umgehen. Das geht ein paar Tage und dann ist es wieder gut. Und zu Plan A habe ich jetzt Plan A 1. Wenn ich etwas gelernt habe: Läuft es zu glatt hat die Sache einen unschönen, versteckten Haken. Hat man den Haken entdeckt kann man sich daran aufhängen oder die Weichen umstellen. Plan B ist im Kopf und ich glaube er ist nicht der schlechteste. (Hier sich einen Smilie denken.)
Was ich nicht ändern kann sind die Themen, die jeden Tag auf uns einprasseln. Natürlich muss ich nicht Nachrichten gucken, im Netz herum hurzen wie ein aufgebrachten HB-Männchen, aber den Kopf in den Sand stecken und/oder die drei Affen spielen? Ne. Kann und will ich nicht.
Die Woche brachte keine guten Nachrichten.
Die Menschen in Idomeni versinken im Schlamm und versuchen sich irgendwie einen Weg ins Land der Verheißung zu bahnen – werden wieder eingefangen und zurückgebracht. Die Bilder schockieren. Hochschwangere Frauen die mit nackten Beinen einen kalten, reißenden Fluss überqueren, ohne Schuhe, nicht gesichert, die Hände an ein dünnes Seil geklammert. Wie groß muß die Angst und die Verzweiflung dieser Menschen sein, dass sie so ein Risiko auf sich nehmen. Auf der Flucht vor Bomben, Terror und den unmenschlichen Zuständen im Flüchtlingslager. Ich unterdrücke den Wunsch jedem der jetzt sagt: *Ja, aber, wie können nicht die ganze Welt retten*, in die Fresse zu schlagen. Wie gesagt. Ich unterdrücke diesen Wunsch und wende mich angewidert ab.
Das mache ich übrigens auch bei dem Parteiprogrammentwurf der AfD. Jaja, ich weiß, es ist noch kein Programm, sondern *nur* ein Entwurf. Der aber reicht mir schon aus.
Frau Petry mag mit einer Journalistin der MoMa’s nicht sprechen, die haken nach und prompt geht Frau Petry wieder wie eine wild gewordenen Henne auf den vermuteten Feind los und fordert die Entlassung von Frau Dunja Hayali, die gerade erst eine Auszeichnung für ihre Arbeit erhalten hat.
Frau Petry hat keine Verpflichtung mit Frau Hayali zu sprechen. Aber die Absage wirkt feige, der Anwurf Dunja Hayali sei eine Politikaktivistin und aus dem öffentlichen Fernsehen zu entfernen äußerst peinlich. Aber das stört die kleine gerne groß ja nicht – sie wirkt auf mich immer mehr wie ein wütender Wadenbeißer. Aber das ist eine rein persönliche Sichtweise. Wie alles was ich im Blog oder sonst wo schreibe.
2016 scheint auch das Jahr der Verabschiedung zu werden. Egal ob im Freundes- oder Familienkreis, in der Politik oder der Unterhaltungsbrache, es gehen so viele. Geliebt und ungeliebte, unbequeme und belächelte Menschen gehen. Manche erwartet, andere unerwartet.
Ich mag sie nicht aufzählen, jeder Name löst Wehmut bei mir aus, aber auch Dankbarkeit, dass sie waren und was sie uns schenkten.
Als dann diese Woche schon wieder ein Selbstmordanschlag in Istanbul die Lebensfreude der Menschen zerriss barst mein Herz. Egal wo auf dieser Welt so etwas geschieht – es zerstört das Leben, die Freude, das Glück von unbeteiligten, die im falschen Moment am Ort waren.
Die Suche nach der Ursache, nach den Tätern ist im vollen Gange. Dabei liegen sie auf der Hand:
Ohnmacht, Intoleranz, Unwissen, Hass, Angst
Ich vergrabe mein Gesicht in das weiche Fell meiner Kater, atme ihren warmen Katzenduft ein, fühle die Vibration ihres begeisterten Schnurrens und versuche das Draußen zu verdrängen. Gerade schreibe ich einhändig, Grey hat meine linke Hand *Arbeit* - fest in beiden Pfoten wird sie beleckt und beknabbert.

Fast ist man versucht an dieser Welt verzweifeln, wenn – ja wenn nicht so vieles Liebenswertes und Schöne wäre. Lasst nicht zu, dass das Dunkle uns überrennt.
Lacht! Liebt! Lebt!

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