Donnerstag, 26. Mai 2016

Private Kampfansage

Wer jetzt denkt, ich würde gegen politische Gegner angeht, den muss ich enttäuschen:
Es geht um den Feind in meinem und an meinem Körper: das Fett.
Ich bin dick. Aber ich war es nicht immer.
Ich war früher dünn.
Mit den Jahren wurde es mehr, auch aus anderen Gründen: Schilddrüsen OP, das Rauchen aufgehört, Medikamente, Bewegungslosigkeit nach OP's.
Viel ausprobiert. Viel hat geholfen. Und dann kam der Jojo-Effekt und ich wurde immer schwerer. Wobei ich eigentlich gute Anlagen habe.
Ich klagte mein Leid und wurde erhört. Ich versuche es noch einmal. Ob es wirkt? Weiß ich nicht. Aber mein *Tagebuch des Leidens* werde ich on stellen. Für mich, für euch, zum Mitleiden oder Lachen.
Ganz kurz das Prinzip: einen Tag essen, einen Tag fasten.  Nach und nach werde ich mehr dazu schreiben. 

1 Woche:

Tag 1 19/05/2016             Null Tag
Boa, ich könnte den Schreibtisch annagen. Ich habe tatsächlich richtig Hunger. Und mein neuer Laptop hat schon seine ersten Tücken gezeigt. Macht nichts. Dann quälen wir uns gerade in der Ausbildung durch den SAP Kurs… nicht lustig.
HUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUnger

Tag 2 20/05/2016             Esstag
Eine Tasse Kaffee, ein Brötchen, Müsli. Hunger ist weg. Aber in meinem Bauch stürzt sich gerade der Magen auf den Inhalt. Essen könnte ich jetzt aus reiner Gier und Lust. Halte mich aber zurück.
Ich teste es ja nur an, niemand weiß es. Ich könnte mich klammheimlich aus der Affäre ziehen und keiner würde es mitbekommen.
Das Schlimmste ist – man soll sich nicht wiegen…
Gestern Abend im Bett bin ich im Geiste meinen Kühlschrank durchgegangen.
Ich habe noch veganes Hack, Tomaten, Lauchzwiebeln … Bolognese! Ich dachte wirklich angestrengt über Spaghetti  nach. Kochte. Schnitt die Lauchzwiebeln, viertelte die Tomaten, schwitzte die Zwiebeln an, fügte die Tomaten, Tomatenmark, Gewürze hinzu, setzte das Nudelwasser auf, fügte des Hack dem Gemüse zu, schmeckte ab, gab die Nudeln ins Wasser ….
sah, wie sich die erste Gabel in den Nudeln drehte, die Soße sich fett glänzend an sie heftete, hörte die Gabel auf dem Porzellan quietschen.
Darüber schlief ich ein.
Mittags schon zuhause, ein Brötchen mit Kürbis-Humus tut’s. Ich freue mich auf das Abendessen. Lauch, verschiedene Pilze und das vegane Hack, dazu Nudeln oder Reis, mal sehen.

Tag 3 21/05/2016             Null Tag
Ich gewöhne mich daran. Aufstehen. Kein Kaffee. Den mag ich eigentlich nur mit Kaffeeweißer und Zucker. Ist aber am Null Tag verboten. Ein Tag mit Wasser, Tee, Kaffee pur oder Diätlimos vor mir. Und schnell hinter mir. Ich gehe einkaufen. Es ist Samstag, ich denke genau darüber nach, was ich in den Korb lege. Ich brauche ja nur morgen etwas.  Heute bleibt der Teller leer. Keine Heißhungerattacke. Wenn der Magen knurrt bekommt er Tee, Wasser, Ingwerwasser. Er hält bald die Klappe. Und abends denke ich gar nicht an Hunger, freue mich aber auf den anderen Tag.
Wein usw. fällt auch flach… na also

Tag 4 22.05.2016               Esstag
Fein. Kaffee. Ich freue mich drauf. Gleich zwei Tassen. Nur mit Hafermilch. Mit Zucker ist er mir plötzlich zu süß. Eine kleine Portion Müsli reicht.
Wühl im Tiefkühlfach, entdecke noch ein Stück selbstgebackenen Apfelkuchen und ein Alprodessert.
Feiere meine Entdeckung.
Mittags gibt es Tofuschnitten, Kichererbsenmus, Kartoffeln und Pilze. Den Nachtisch will und schaffe ich gar nicht mehr. Also werde ich den nachmittags futtern. Aber um drei bin ich immer noch so satt, dass ich gar nicht will. Aber ich habe Durst.

Tag 5 23/05/2016             Null Tag
Gestern Abend noch eine fette Portion Nudel mit Pilzen, einen Nachtisch, ein Glas Wein. Den Kuchen habe ich nur zur Hälfte gegessen. Keine gute Idee den einzufrieren.  Ich war satt. Keine Lust irgendetwas zu knuspern.

Heute Morgen keine Lust auf Kaffee. Aber gestern Nachmittag habe ich frischen Ingwer mit kochendem Wasser übergossen. Ich habe Bock da drauf. Schmeckt leicht nach Ingwer, nicht scharf, lecker. Hunger? Hm. Es geht. Aber ich recherchiere im Netz. Zehn in zwei. Lausche, sammle.
Ich bin noch nicht überzeugt. Aber ich fühle mich gut und ich fühle mich nicht gebläht. Fragt mich nicht, wienviel ich wiege. Ich weiß es nicht. Nun, ich werde es sehen, wann mir gewisse Klamotten wieder passen. Und ob überhaupt.

Tag 8 26.05.2016                 Esstag

Bisher klappt es. Aber ich habe an den Nulltagen immer Hunger. Mit wird zwar nicht schlecht, aber der Magen knurrt. Und das manchmal laut und vernehmlich. Das ist anders als beim Fasten. Spätestens am zweiten Tag hat man da keinen Hunger mehr.
Und auch wenn ich an den Nichtesstagen regelmäßig meine Freßorgie am nächsten Tag plane – ich setze sie nicht um. Nicht weil ich mich diszipliniere, sondern weil ich einfach Bock auf andere Sachen habe. Ich wundere mich ja selbst.
Schon nach einer Woche trinke ich den Kaffee an den Esstag nur noch mit Hafermilch und nicht mehr mit Zucker. An Kaffee ohne alles möchte ich mich jetzt gar nicht mehr gewöhnen, um den Kick zu bekommen trinke ich schwarzen Tee, Ingwerwasser oder einfach Wasser pur. Bin ich begeistert? Kann ich noch nicht sagen.
Was ich genieße: keine Verbote, keine Zählerei, kein Abwiegen. Und es geht auch super vegan.

Aber insgesamt fühle ich mich besser. Leichter (kann Einbildung sein), bin weniger gebläht, muss nicht ständig pupsen, mir fällt jetzt auf, dass überall Fast Food Läden sind, das Angebot in den Supermärkten ist bombastisch, fast pompös. Ich denke über die Welt nach - während ich fast am Überfluss ersticke verhungern andere Menschen,
Komische Sache. 

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