Sonntag, 7. August 2016

Ämter - Ärger - Amtsschimmel

Sonntagmorgen. Klare, kühle Luft strömt in die Wohnung. Die Kater sind entspannt oder jagen Fliegen. Ich lasse Bach laufen. Mozart. Verdi.



Ein seltsamer Sommer ist das für mich. Im Mai hatte ich die schriftliche Prüfung, Ende Juni die mündliche. Den Job in der Tasche lief alles gut an.
Wenn es so läuft, dann geht meistens in der näheren Zukunft etwas schief. Bei mir auch. Aber nichts was sich nicht regeln ließe.

Mein Sachbearbeiter bei der Rentenversicherung war in Kur als meine zukünftige Arbeitgeberin wegen der Wiedereingliederungshilfe anfragte. Was dann folgte war ein - nennen wir es mal Scharmützel. Mein mich betreuender Sachbearbeiter: ein Schatz (! sehr menschlich, einfühlsam, am das Wohl der Rehabilitanten interessiert), seine Vertretung hatte Haare auf den Zähnen. Keine Gute Kombi in Bezug auf meine künftige Arbeitsgeberin.
Heute ist alles geklärt. Aber dadurch verzögerte sich das Einstellungsdatum. Auf den 1.9.2016.
Eigentlich kein Problem. Nach mehr als 25 Jahren arbeiten steht mir Arbeitslosengeld 1 zu.
Auch kein Problem.
Ich war rechtzeitig auf dem Amt, meldete mich arbeitslos, es fehlte ein Formular von der Rentenversicherung, kein Problem, ich schickte es nach Berlin mit der Bitte es ausgefüllt dann direkt an die Agentur für Arbeit zu schicken.
Kein Problem.
Normalerweise.
Wenn man lesen kann. Und zwar Formulare.
Das Formular umfasste 3 Abschnitte.
1. Abschnitt: Rentenbezug
2. Abschnitt: Übergangsgeld
3. Abschnitt: Egal.

Ich erhielt die letzten zwei Jahre Übergangsgeld. Der/die Sachbearbeiterin bei der RV las den
1. Abschnitt: Rentenbezug.
Hatte ich ja nicht.
Ich bekam ein Anschreiben, dass man mir den Rentenbezug nicht bestätigen könne, da ich keine Rente bezogen hätte.
Stimmt.
Ich habe keine Rente bezogen.
Aber Übergangsgeld.
Anfang Juni hatte ich das Formular eingeschickt. Der Eingangsstempel war vom
07.7.2016, das Bearbeitungsdatum war der
18.7.2016 ein Donnerstag, im Briefkasten lag der Brief am
22.7.2016.
Der Versagensbescheid des Arbeitsamtes kam fast zeitgleich.
Aufgrund der fehlenden Unterlagen (der RV) würde man mir das am 1. Juli 2016 , beantragt am 1.1.2016, versagen.

Ende Juli.
Miete.
Strom.
VVS Ticket.
Telekommunikation.
Dann auch noch eine Zahnarzt Rechnung.
Das am Ende des Monats?
Als erstes plünderte ich mein Tagesgeldkonto - ich Glückliche, dass ich so etwas habe. Das Geld war für meinen Urlaub geplant. Nun gut. Dann eben nicht.
Dann stürmte ich die Agentur der Arbeit, bewaffnet mit einem verkrampften Lächeln, das eher an das Zähnefletschen eines Wolfes erinnerte (oder eines dicken Eichhörnchens) und meinem Ordner, in dem alles was mit Arge, RV, Ausbildung zu tun hatte.
Anstehen, Kundennummer abgeben, warten bis man aufgerufen wird.
Man wirkt wie ein Bittsteller, obwohl man seine angestammten Rechte einfordert.
Die *Kundenbetreuerin* war in Ordnung, aufmerksam, hörte sich alles an, alles lief auf eine relativ angenehmen sachlichen Ebene ab.
Kommentar ihrerseits: Nicht schon wieder die RV.
Ich dachte mir meinen Teil.

Das Übergangsgeld konnte ich auf eine andere Weise nachweisen, die Arbeitszeitenbestätigung lag nun vor, sie mailte alles weiter, zog sich Kopien.
Einspruch solle ich trotzdem einlegen, und mich spätesten in zwei Wochen melden.

Der Einspruch schickte ich per Einschreiben raus. Die zwei Wochen sind bald vorbei. Den Arbeitslosengeldbescheid habe ich natürlich noch nicht. Auch kein Geld. Zum Leben habe ich das Geld aus einem €165.- Job (alles darüber hinaus wird dem ALG I angerechnet - hier sich bitte einen virtuellen Stinkefinger vorstellen), damit komme ich einigermaßen klar. Für die Zahnarztrechnung helfen mir Freunde aus.
Der Arbeitsvertrag ist unterschrieben.

Ich weiß, dass sich alles regeln wird.
Sauer bin ich trotzdem. Auf gewisse Sachbearbeiter.
Die vergessen haben, dass zwischen all den Formularzeilen echte Menschen stecken. Denen eine Empathie für diese Menschen abtrainiert wird oder von Anfang nicht haben. Die Menschen wie mich als lästige Bittsteller sehen und nicht, dass wir nur unsere Rechte einfordern.
Ich arbeite seit über 25 Jahren, zahle ohne zu murren alle meine Beiträge.
Was soll das?
Es sind bei Weitem nicht alle so.
Meine Rehabetreuer, sowohl bei der RV als auch bei der Arge, sind super Leute.
Auch die *Kundenbetreuer* beim Arbeitsamt vor Ort sind nicht zu beanstanden.
Es sind die Gesichter hinter den Monitoren, die manchmal vergessen was an ihren Entscheidungen hängt.
ES geht um MENSCHEN und nicht nur um SACHLAGEN.
Und ja, ich weiß auch, dass gerade die Agentur für Arbeit sich teilweise mit einer nicht gerade vornehmen Klientel herumschlagen muss - aber: es sind ALLES Menschen. Die man auch so behandeln sollte.

In diesem Sinne - keep calm und haut nie einem Sachbearbeiter die Aktenordner um die Ohren. Bringt nichts.
Verlasst euch auf nichts und niemanden, wenn euch Freunde und Bekannte helfen, dann nehmt es dankbar an Geschenk an.

Ich nenne mich in der Zwischenzeit die Glückliche, da sich bis jetzt alles in meinem Leben zum Guten gewendet hat, egal wie viele Unglücke, Unsäglichkeiten und Unvorhersehbarkeiten auf mich zukamen.

P.S. Ich weiß, dass alles was geschah RECHTENS war, was nicht bedeutet, das RECHTENS = GERECHT ist.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen