Sonntag, 1. Januar 2017

Taktung und anderer Kram

Neues Jahr.
Alles neu.
Oder?
Nö.

Eine lange Schreibpause liegt hinter mir. Ausbildungsende, Jobanfang, ein unerwarteter, für mich sehr schmerzhafter Verlust, alles wurde mir zuviel. Das Jahr rast an mir vorbei und das Leben verwirbelte mich.

Und doch blieb mir viel Zeit zum Nachdenken. Ich zog mich, ohne es bewusst zu tun, auf einen inneren Felsen zurück und betrachtete das Meer des Lebens um mich, in dessen Strömung ich und mein Umfeld trieben, schwammen, untertauchten, umhertollten, uns abstrampelten um nicht unter zu gehen.

Mein Felsen ist kein Felsen, eher ein Floss.
Und die Zeit ist ein scheinbar unendlicher Strom, der uns unerbittlich mit sich reißt, kein Entkommen. Kein Zurück. Wessen Zeit gekommen ist wird über das Ufer gespült und verschwindet aus dem Sichtfeld, nur die Erinnerung bleibt und die Gefühle.

Je länger ich auf diesem Fluss dahintreibe desto mehr fällt mir die menschengemachte Taktung auf. Es gibt ja auch natürliche Taktungen: Tag und Nacht. Ihre Länge abhängig von Jahreszeit und Ort. Auf dem Mars anders als auf der Erde. Oder gar auf dem Saturn.
Die Jahreszeiten. Die Erdumdrehung. Die Umrundung der Sonne.
Wir Menschen leben in einer mannigfaltigen getakteten Welt. Die natürliche Einteilung der Zeit reicht uns nicht. Wir setzen Termine. Und begründen diese mit Glauben. Aufgrund von Sternkonstellationen. Willkürlich. Als ob es denn eine Bedeutung hätte im unendlichen All. Ob dieses All, der Kosmos wirklich unendlich ist, oder gar die Zeit - wer weiß? Wir wissen so wenig und fühlen uns so groß. 
Die letzten Termine des Jahres: Weihnachten. Dann Sylvester. Dann schon wieder ein Neues.
Mit viel Krach, Getöns
Meine zwei Zuckerschnecken saßen gestern verschreckt, dicht an mich gedrängt, und starrten Richtung Fenster, vor dem der Krieg losgebrochen war - so schien es.
Nein ich bin kein Freund der Sylvesterknallerei. Feuerwerk liebe ich. Aber nicht das was alljährlich vor meiner Tür abgeht.
Nun es ist vorbei.
Hinweg gespült im Mahlstrom der Zeit.
Als eine Polenböller gezündet wurde zucken wir zu dritt kollektiv zusammen.
Heute morgen erinnert nur noch der Geruch an Schwarzpulver an das *Freuden*feuer der letzten Nacht. Vorbei.
Vorbei.

Taktung. Wie takten unser Leben in Arbeit, in Freizeit, in Familie. Vielleicht weil wir sonst den Halt verlieren? Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht.
Wer für sein Überleben kämpfen muss - also nicht im Supermarkt um die Ecke seine Beute erlegt - hat vermutlich keine Zeit sich um solchen Kram zu kümmern. Er lebt in seiner eigenen Taktung. Hunger. Schlaf. Wach. Essen. Und und und.
Termine. Die Steuer muss raus - bzw. deren Veranlagung. Dieses, jenes - muss noch erledigt werden, vor dem Stichtag.

Keine Ahnung ob das alles jemanden interessiert. Mein kleiner Kater Chocolat sitzt auf meiner Schulter und beobachtete gespannt das Erscheinen der Buchstaben auf dem Bildschirm, Caillou döst auf dem Stuhl gegenüber - mich aus schmalen Sehschlitzen beobachtend. Sein Unbeteiligt-Sein ist Tarnung. Wenn ich auch nur die Andeutung einer Bewegung Richtung Küche mache wird er sich wie ein geölter Blitz an mir vorbei in die selbige machen, mauzend, als sei er am Verhungern.

Zeit.
Wir besitzen sie nicht. Wir können sie nicht stehlen. Und doch tun wir so, als hätten wir genug davon, oder zuwenig, könnten sie einteilen.
Ich weiß es wirklich nicht.
Die Zeit ist für mich eines der größten Mysterien unseres Sein. 

Für uns fließt sie wie ein Strom in eine Richtung. Ist es wirklich so? Oder sind wir einfach unfähig sie so wahr zunehmen wie sie wirklich ist? Falls sie denn anders sein sollte.

Zeit.
Ich nehme mir sie jetzt einfach. Für Dinge die mir Freude bereiten. Die mir gut tun. In welcher Form auch immer. Für das andere nimmt man mir eh schon die Zeit.

Ach ja: Prosit Neujahr