Donnerstag, 2. Februar 2017

Seife, wir brauchen mehr Seife!

Seife.
Als ich Kind war roch es oft mal nach Kernseife. Seit dem ich Kind war, weiß ich wie Seife schmeckt. Und ich roch dann auch nach der Seife, denn meine Oma war eine sehr resolute Frau und wusch einem den Mund mit Seife aus, wenn man schmutzige Worte in den selbigen nahm.
Ihre klauenartigen Finger krallten sich an dem kindlichen Hals fest und schleiften den Besitzer des Schandmauls zum Spültisch - gibt es heute nicht mehr. Irgendeine Art Stein, zu einem flachen Becken geformt mit einem etwas erhöhten Ablauf. Im Becken stand ein Plastikbecken, in der Wand, in einer kleinen Nische lauerte das Grauen:
KERNSEIFE. Sie hatte die selbe hässliche Farbe wie die Wandkacheln - irgendein undefinierbares graugelbbraunes Etwas. So wie schon x-fach gegessen und verdaut.
Kein Zappeln half, kein Greinen. Wenn man sich zu heftig wehrte schlug man mit dem Kopf am Stein an. Nun. Sie war damals einfach die Stärkere. Wer einmal mit Kernseife den Mund ausgewaschen bekommen hat flucht nicht mehr in der Nähe des Seifeninhabers.
Es wäre mir ein Fest meiner Oma dabei zuzusehen, wie ihre kleine, drahtige Gestalt auf den amerikanischen Präsidenten zurast, die Füßchen mit den geschwollenen Knöcheln kaum den Boden berührend. Wie sie diesen Koloss erklimmt, die Fingernägel in den weichen Hals schlägt und ihm die Kernseife in den Mund rammt. Und dabei in einem fort in ihrem böhmische Dialekt in einer Tour schimpft: Du Balg, du Gör, du *Bagahsch*. Er, mit aufgerissenen Augen, realisiert gar nicht wie ihm geschieht.
Wenn sie mit ihm fertig wäre wüsste er nicht was für ein Omafrettchen ihn angefallen hätte, aber der Schaum vor dem Mund würde ihn als den tollwütigen ***** outen der er ist.
Na ja, Oma ist schon lange tot. Und man hätte sie erschossen bevor sie auch nur einen cm an ihn ran gekommen wäre. Sie reiste nur einmal. Nach dem 2. Weltkrieg vom Böhmerwald heim ins Restreich.
Oder aber sie würde ihm huldigen. Wie einst dem Führer.
Seufz.
Aber wir brauchen mehr Seife. Nasse Seife. Eine kleine Armee schaumiger, klitschiger, nach Vanille riechender Seife. Ihr wisst schon, diese kleinen Seifen. Geformt wie Rosen. Immer gerne auf der Gästetoilette drapiert, bis es jemand wagt sie zu benützen. Worauf die, auf diese Weise geschändete, Seife von der pikierten Hausfrau entsorgt wird.
Wenn sich nun all die, von pikierten Hausfrauen entsorgten, weil geschändeten Dekoseifen, wutschnaubend auf einen Rachefeldzug begeben würden, so wünschte ich mir eine kleine ausgemusterte Kernseife, die diese Horde als Khan anführen würde.
Die Vorstellung wie diese kleinen, klitschigen Kerlchen sich an Terppenabgängen auf blinkenden Marmor unter die ledernen Sohlen der mächtigsten Männern und Frauen schmuggeln und diesen einen letzten, unglaublich aufregenden Moment ermöglichen - hach. Ich sehe die göttliche Meryll Streep in *Der Tod steht ihr gut* die weit geschwungenen Treppe hinuntersegeln, ähm stürzen. Genau diese Szene.
Seifen, wir brauchen mehr Seifen!
Um all den Dreck aus der Welt zu schrubben. Von den Pinnwänden der sozialen Medien, aus den Köpfe der Verblendeten.
Seife.
Wenn es nur so einfach wäre.


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